Unser Tag begann heute so, wie ein Montag im Urlaub eigentlich immer beginnen sollte:
Um 10:30 Uhr mit einer Champagnerprobe. 🤭🥂 Dietmar versuchte irgendwann, den verantwortungsbewussten Erwachsenen zu geben und winkte beim nächsten Glas ab. Schließlich müsse er noch fahren.
Die Antwort unseres Gastgebers:
„No problem. Police don’t look.“
Nun denn. 😂
Wir entschieden uns trotzdem für die etwas konservativere Variante: Dietmar hört auf zu probieren – und wir kaufen den Champagner einfach. Schließlich muss man die regionale Wirtschaft unterstützen. Und wenn es um solche Dinge geht, nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung ausgesprochen ernst.
Weiter ging es zum Camping-Car-Park in Ciry-Salsogne, rund 13 Kilometer von Soissons entfernt.
Und der Platz machte zunächst richtig Hoffnung: viel Grün, Bäume, Ruhe und unser Womo mittendrin. Fast ein bisschen Waldcamping.
Wir hätten misstrauisch werden sollen.
Denn nun kamen die Fahrräder raus.
Unser persönlicher Routenplaner ChatGPT hatte eine schöne Strecke am Wasser entlang gefunden.
Danke dafür. Wirklich.
Am Wasser ging es tatsächlich entlang.
Allerdings auch über ungefähr fünf Kilometer Schotter, Brennnesseln, Äste und Wege, bei denen wir mehrfach überlegten, ob das wirklich noch eine Fahrradroute oder bereits eine Aufnahmeprüfung für „Survival in Frankreich“ war.
Landschaftlich teilweise wunderschön.
Fahrtechnisch eher:
„Welcher Idiot hat uns eigentlich hier langgeschickt?“
Ach ja. ChatGPT. 😂 Fahrradfahren in Soissons ist einfach zum Kotzen
Mit Erreichen der Stadt hegten wir kurz die Hoffnung, dass es nun besser würde.
Wurde es nicht.
Fahrradfahren in Soissons ist einfach zum Kotzen. Wenn überhaupt Radwege vorhanden sind, sind sie teilweise so schmal an die Straße gequetscht, dass man sich fragt, ob sie für Fahrräder gedacht sind oder vielleicht doch eher für sportliche Regenwürmer.
Dazu wuselig viel Verkehr und Autofahrer, deren Verständnis von Sicherheitsabstand und Rücksichtnahme sich offenbar deutlich von unserem unterscheidet.
Und hat man sein Ziel endlich erreicht, folgt die nächste Herausforderung:
Wo zum Teufel schließt man hier eigentlich zwei Fahrräder vernünftig an?
Reims hatte auf unserer persönlichen Fahrrad-Katastrophenskala bereits eine 12 von 10 bekommen.
Soissons bewirbt sich gerade erfolgreich um einen Platz auf dem Treppchen.
Zum Glück kann Soissons Geschichte
Denn abseits des Fahrradfahrens hat die Stadt einiges zu bieten.
Soissons gehört zu den ältesten Städten Frankreichs. Schon zur Römerzeit war der Ort bedeutend, später spielte Soissons eine wichtige Rolle im fränkischen Reich und ist eng mit Chlodwig I. verbunden.
Unser erstes Ziel war die Kathedrale Saint-Gervais-et-Saint-Protais.
Und die ist wirklich beeindruckend.
Der Bau begann im 12. Jahrhundert und zog sich über mehrere Jahrhunderte. Deshalb lassen sich an ihr unterschiedliche Entwicklungsphasen der Gotik erkennen. Auffällig ist außerdem, dass sie nur einen großen Westturm besitzt – der zweite wurde nie fertiggestellt.
Im Ersten Weltkrieg wurde die Kathedrale schwer beschädigt und später restauriert.
Von außen ist sie schon gewaltig, aber richtig beeindruckt hat uns der helle, unglaublich hohe Innenraum. Diese langen Säulen, die Spitzbögen und ganz hinten die große farbige Rosette – da wird man automatisch etwas stiller.
Was nach der Fahrradtour vielleicht auch ganz gut war. 😄
Eine Kirche, bei der die Kirche fehlt
Von der Kathedrale gingen wir zu Fuß weiter zur Abbaye Saint-Jean-des-Vignes.
Die ehemalige Abtei wurde bereits im 11. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden und wohlhabenden Kloster.
Von Weitem sieht sie mit ihren beiden mehr als 75 Meter hohen gotischen Spitzen fast wie eine zweite Kathedrale aus.
Das Überraschende:
Die eigentliche Kirche ist weitgehend verschwunden.
Nach der Französischen Revolution wurden große Teile der Anlage abgetragen. Übrig geblieben sind unter anderem die monumentale Fassade, Teile des Kreuzgangs, Klostergebäude und beeindruckende Gewölberäume.
Man läuft also durch jahrhundertealte Bögen und plötzlich endet die Kirche einfach im Himmel.
Das hat schon was.
Von einem der beiden berühmten Türme sahen wir allerdings hauptsächlich:
Gerüst. Sehr viel Gerüst. Unglaublich viel Gerüst.
Wir vermuten, Frankreich lagert derzeit sein nationales Stahlreservat in Soissons. 😂
Und irgendwann braucht der Mensch Pancakes
Nach der Abbaye liefen wir zurück zur Kathedrale, sammelten unsere Fahrräder wieder ein und fuhren runter ans Wasser.
Nach Kultur, Schotter, Brennnesseln und französischem Straßenverkehr hatten wir uns eine Pause verdient.
Und die fiel ausgesprochen gut aus:
Amerikanische Pancakes mit Spiegelei, Käse und knusprigem Bacon.
Süß trifft salzig trifft herzhaft.
Klingt zunächst ein bisschen wild, war aber richtig lecker.
Dazu ein Glas Rosé, Sonne, blauer Himmel und ein Platz direkt am Wasser.
Und siehe da:
Der Soissons-Aggressionspegel sank schlagartig. 🍷😂
Wir haben aus der Hinfahrt gelernt!
Nach einem kurzen Einkaufsstopp mussten wir natürlich auch wieder zurück zum Wohnmobil.
Aber wir sind ja lernfähig.
Keine Abenteuerwege mehr.
Keine Brennnesseln.
Kein Schotter.
Keine französische Variante von Indiana Jones und der verschwundene Radweg.
Diesmal nehmen wir einfach die Hauptstraßen!
Super Idee.
Das war auch kein Spaß. 😂
Damit lautet unser abschließendes Urteil zum Radfahren rund um Soissons:
Am Wasser ist es abenteuerlich, in der Stadt chaotisch und an der Hauptstraße unangenehm. Man hat also immerhin Auswahl.
Trotz allem hat sich Soissons absolut gelohnt.
Die Kathedrale ist wunderschön, die Abbaye Saint-Jean-des-Vignes außergewöhnlich und zwischendurch gab es genug Momente, bei denen wir einfach nur staunen konnten.
Und wenn ein Tag morgens um halb elf mit Champagner beginnt und nachmittags mit Pancakes und Rosé am Wasser weitergeht, kann er eigentlich gar nicht komplett schlecht sein.
Heute hatten wir jedenfalls alles.
Wo es morgen hingeht?
Wissen wir noch nicht. Wir schauen nachher in Ruhe.
Fest steht nur:
Wir arbeiten uns langsam Richtung Küste vor.
Und vielleicht gibt es dort ja Radwege.
Man darf schließlich träumen. 😂






























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